1. Herr Dr. Härdtle, häwa hat sein CO2-Reduktionsziel für 2035 bereits Ende 2025 erreicht. Wie ist dieser außergewöhnliche Vorsprung möglich geworden?
Antwort: Wir haben frühzeitig eine klare Klimastrategie definiert und diese konsequent umgesetzt. Die vollständige Umstellung auf Ökostrom, der Ausbau unserer Photovoltaikanlagen und die Substitution fossiler Energieträger durch erneuerbare Alternativen haben sehr schnell Wirkung gezeigt. Zusätzlich haben wir unseren Fuhrpark schrittweise elektrifiziert. All diese Maßnahmen greifen ineinander – und genau das hat dazu geführt, dass wir unser geplantes Reduktionsniveau von 55 % bereits zehn Jahre früher erreicht haben.
2. Können Sie die Ausgangslage von häwa kurz erläutern?
Antwort: Ja gerne, ich muss da ein wenig ausholen. In einen metallverarbeitenden Industriebetrieb wie dem unseren, in dem Prozesse vorherrschend sind wie Stanzen, Lasern, Umformen, Schweißen, Schleifen, Pulverbeschichten, um hier mal die wichtigsten zu nennen, ist der Energiebedarf bzw. Energieverbrauch generell hoch. Und ein hoher Energieverbrauch ist oft verbunden mit entsprechend hohen Energiekosten und traditionell auch mit schädlichen Emissionen den sog. Treibhausgasen, insbesondere CO2. Daher ist das Thema Energie eigentlich schon immer ein Thema bei uns gewesen. Und seit der Implementierung eines zertifizierten Energiemanagementsystems nach DIN ISO 50001 im Jahr 2014, ist das Thema rund um die Energie noch dazuhin Bestandteil der häwa-Unternehmensstrategie geworden. Klimaschutz ist - wie sagt man so schön - in unserem Hause ein Stück weit auch zur Chefsache geworden.
Ja und Im Rahmen dieser weltweit geltenden DIN-Norm treiben wir bei häwa die Reduzierung des Energieverbrauchs stetig voran und damit auch die Reduzierung der von häwa ausgehenden CO2 Belastungen. Die wir übrigens sehr detailliert und transparent in sog Sankey Diagrammen darstellen. Das sind Flussdiagramme die Mengenströme durch die Breite von Pfeilen visualisieren. Je größer der Mengenstrom, je breiter der Pfeil.
Durch diese Visualisierung wissen wir, ja und auch alle die sich dafür interessieren da die Charts bei uns sich in den Aushängen befinden, ganz genau wo im Betrieb, wieviel an Energie verbraucht wird und wo und wieviel CO2-Emissionen dadurch entstanden sind. Diese Transparenz ist Grundlage und erleichtert gezielt Effizienzaktionen voranzutreiben.
3. Welche konkreten Ziele verfolgen Sie um Energieverbrauch und CO2-Emissionen systematisch zu reduzieren?
Antwort: Hinsichtlich unserer Zielsetzung der CO2-Reduzierung, folgen wir der Vorgabe der Bundesregierung, genauer gesagt dem Bundes-Klimaschutzgesetz (KSG). Es sieht vor eine CO2 Neutralität bis zum Jahr 2045 zu erreichen, die EU lässt sich da 5 Jahre mehr Zeit, also bis zum Jahr 2050.
Zur besseren Zielkontrolle haben wir für diejenigen Emissionen, die wir selbst beeinflussen und kontrollieren können, das sind im Wesentlichen die Emissionen der Kategorie Scope 1 und Scope 2, intern einen sog. CO2-Transformationspfad erstellt aus dem dann Zwischenziele und Maßnahmen abgeleitet werden.
Als Basisjahr bzw. als Startpunkt für den Transformationspfad haben wir das Jahr 2022 festgelegt in das wir mit einer CO2-Bilanzsumme von rund 2,6 Millionen Kilogramm CO₂ gestartet sind. So und ausgehend von diese 2,6 Mio kg CO2 verfolgen wir nun das Ziel bis 2045 eine CO2 Neutralität zu erreichen also auf „Null“ zu kommen.
Das bedeutet eine jährliche CO2 Minderung von gut 4% vom Basiswert bzw. 110.000 kg.
Zum Ende 2025 zum Beispiel, sollten wir eine Reduktion von 17 % erreicht haben. Tatsächlich lagen die CO2-Emissionen Ende 2025 bereits bei gut 55 % Zielerfüllung. Damit haben wir einen Vorsprung von 10 Jahren erreicht gegenüber dem ursprünglichen Zielpfad und haben unser gesetztes Ziel weit übertroffen.
4. Welche Maßnahmen hatten den größten Einfluss auf die CO₂Reduktion?
Antwort: Der größte Hebel war eindeutig die Energieversorgung. Durch die vollständige Umstellung auf zertifizierten Ökostrom konnten wir rund 1.100 Tonnen an CO2 Emissionen sofort eliminieren. Parallel dazu haben wir unsere Photovoltaikflächen deutlich erweitert, sodass wir auch da eine Gutschrift von 100 Tonnen an CO2 erreichen konnten. Auch die Substitution von fossilen Energieträgern durch erneuerbare Alternativen, hat einen Beitrag von 450 Tonnen geleistet.
Alles in Allem also konnten wir innerhalb von 4 Jahren rechnerisch eine Reduzierung von rund 1.600 Tonnen CO2 erreichen.
5. Wie ordnen Sie diesen Erfolg strategisch ein? Ist das ein Endpunkt oder ein Zwischenschritt?
Antwort: Nein, kein Endpunkt ! Für uns ist das bisher Erreichte ein wichtiger Meilenstein in unserer Klimastrategie aber ganz klar kein Endpunkt. Wir sehen den Vorsprung eher als zusätzlichen Handlungsspielraum, der uns Zeit gibt, weitere Schritte solide vorzubereiten. Außerdem wollen wir die entstandene Dynamik nutzen, um das eine oder andere Projekt noch ambitionierter anzugehen. Der Erfolg bestätigt unseren Kurs – und motiviert uns weiterzugehen.
6. Welche nächsten Schritte plant häwa auf dem Weg zur Klimaneutralität 2045?
Antwort: Nun ja,- wir werden die Schritte weiter gehen mit denen wir begonnen haben und unsere Energieeffizienz weiter steigern. Insbesondere werden wir unsere Prozesse dahingehend analysieren und optimieren. Von der Produktion über die Logistik bis hin zur Gebäudetechnik und der Wärme- und Energieversorgung. Wir werden zusätzliche Photovoltaikflächen erschließen, fossile Energieträger weiter substituieren und auch die Elektrifizierung unseres Fuhrparks vorangetrieben.
Unser Ziel ist es, die verbleibenden Emissionen Schritt für Schritt zu minimieren, bevor wir langfristig unvermeidbare Rest-Emissionen unter Umständen durch den Kauf von Zertifikaten kompensieren müssen.
Dazu kommt ein Punkt, den ich noch nicht erwähnt habe, den wir aber auch in unsere Klimastrategie zum Teil mit einbeziehen wollen. Es sind die Emissionen der Kategorie Scope 3 die wir erheben, berechnen und analysieren wollen. Scope 3 sind die Emissionen, die unserer Wertschöpfungskette vor- und nachgelagert sind und in der Verantwortung der Lieferanten bzw. der Nutzer liegen. Beispiele hierfür sind eingekaufte Waren und Dienstleistungen, vorgelagerte Transport- und Verteilungsprozesse, aber auch die Entsorgung von Abfällen. Diese Emissionen tangieren zwar nicht das Bundes-Klimaschutzgesetz und damit auch nicht unseren Transformationspfad, sie werden jedoch vermehrt über EU-Richtlinien im Rahmen von Nachhaltigkeits-Berichtspflichten von Unternehmen gefordert und damit indirekt auch von uns als Lieferanten, wenn wir Teil deren Lieferkette sind.
7. Welche Rolle spielt der Neubau des Verwaltungsgebäudes und der Neubau der Lackieranlage in diesem Kontext?
Antwort: Bautechnisch sind das Verwaltungsgebäude und das Gebäude der neuen Beschichtungsanlage ein zusammenhängender Gebäudekomplex. Der Gebäudekomplex ist auch ein wichtiger Baustein unserer Klimastrategie. Der Neubau ermöglicht uns, moderne, energieeffiziente Gebäudetechnik einzusetzen und Prozesse neu zu denken. Wir nutzen diese Investitionen bewusst, um wirtschaftliche und ökologische Ziele miteinander zu verbinden. Den Gebäudekomplex haben wir im Standart KFW 40 realisiert, was bedeutet, dass dieses Gebäude nur 40 % des Energiebedarfs vergleichbarer Normalgebäude brauchen. Hinsichtlich der Anlagentechnik haben wir zum Beispiel die Warmwasser-geführte Vorbehandlungsanlage der PBA von Gasbefeuerung auf Biomasse-basierte und damit auf CO2 neutrale Nahwärme umgestellt. Aktuelle Energieeffizienzberechnungen für die neue Pulverbeschichtungs-anlage mit patentierter Wärmerückgewinnung, gehen von einem rund 25 % geringeren Energiebedarf gegenüber der Altanlage aus.
8. Wie reagieren Kunden und Partner auf die schnellen Fortschritte?
Antwort: Die Resonanz von Kunden und Partnern ist sehr positiv, nach Allem was wir so hören. Denn viele unserer Kunden achten zunehmend auf die Nachhaltigkeit ihrer Lieferkette und gegenüber den Kunden sind wir ja Teil deren Lieferkette.
Dass wir unsere Emissionen so deutlich reduzieren konnten, stärkt das Vertrauen und zeigt, dass wir Verantwortung übernehmen.
Ja und auch intern spüren wir eine hohe Motivation – und das will ich an dieser Stelle noch betonen: der Erfolg ist ein gemeinsamer, weil auch die Arbeit dorthin eine gemeinsame ist. – Danke an alle die sich angesprochen fühlen.
9. Was ist für Sie persönlich der wichtigste Aspekt dieses Erfolgs?
Antwort: Für mich ist entscheidend, dass wir zeigen: Klimaschutz ist machbar, wenn man ihn strategisch angeht und konsequent umsetzt. Wir haben bewiesen, dass ambitionierte Ziele erreichbar sind – und dass sie sich mit wirtschaftlicher Vernunft verbinden lassen. Das ist ein starkes Signal für unser Unternehmen, denke ich und auch ein starkes Signal für die gesamte Branche.